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Ideologie - Zum Scheitern verdammt und deshalb erfolgreich!

"Der Alkoholkonsum Jugendlicher steigt!", verriet mir mein Radio heute morgen in gar panischem Ton. Es ringt mir immer wieder ein Schmunzeln ab, wenn die Erwachsenen etwas über die Jugend feststellen und so tun, als würden sie uns verstehen. Das ist wie ein festes Gesetz, es ist eine Grenze und eine Schranke. Kennt ihr Erwachsene, die Jugendsprache authentisch imitieren können? Wie auch immer, es endet dabei, dass Generationen von einer Wand getrennt sind, die manchmal hauchdünn, aber viel zu oft Meter breit ist. Politiker reagieren vor allem auf solche Meldungen, in dem sie versuchen die Möglichkeiten Jugendlicher einzuschränken an Alkohol zu gelangen, ähnlich auch momentan mit dem teuren Umbau der Zigarettenautomaten. Ein Mann hat mir mal beigebracht, man dürfe den Baum nicht kürzen, wenn man ihn weg haben möchte, sondern man müsse die Würzel ausgraben. Was das bedeutet liegt auf der Hand: Man darf ein Problem nicht an den Folgen packen, sondern muss die Ursachen bekämpfen!
Warum konsumieren Jugendliche Alkohol? Wenn man diese Frage beantwortet haben will, muss man sich überlegen, was Alkohol bewirkt: Es vermittelt anfangs Glücksgefühle, lässt den Moment leben, beruhigt später, lässt vergessen und rückt Probleme in den Hintergrund. Wie das immer so ist, ist auch meine Erkenntnis stark subjektiv beeinflusst, denn ich bin einer von denen, die hier charakterisiert werden sollen. Ich schätze, ich bin nicht der einzige, der neben dem belebendem Effekt unterbewusst und insgeheim die vermeindliche Flucht aus dem matten Alltag und aus der Realität schätzt. Das passt ganz gut ins Bild, denn Perspektivlosigkeit, weit verbreitete Hoffnungslosigkeit, Jugendarmut und Jugendarbeitslosigkeit in der eiskalten Wissensgesellschaft treibt den Menschen doch an seine Grenzen. Wie viel kann ein Mensch und dazu ein junger Mensch denn ertragen, bis alles in ihm rebelliert? Wenn dich jemand fragt, ob du in deinem Leben den richtigen Weg gewählt hast, was würdest du antworten? Die Jugend ist es, die ihren Weg sucht. Das fällt nicht immer einfach, aber jeder ist darauf bedacht den seinen und den richtigen Weg zu finden. Schwarzmalerei und das Tilgen von Chancen bis zu einem Punkt, an dem man nicht mehr weiter weiß, ist Lebensgift. Die Gesellschaft weiß gar nicht, wie sehr sie sich selbst schadet. Die einzigen, die in der Politik kein Wahlrecht haben und noch nicht mitreden können, sind die, die es noch nicht gibt. Kinder! Sie können die Welt von morgen erst bestimmen, wenn es bereits morgen ist. Und wissen sie dann noch, dass sie die Verantwortung für Übermorgen tragen? Sind wir ehrlich: Welche Chancen bietet denn die Zukunft noch für einen Hauptschüler oder gar jemanden, der gar keinen Abschluss erreicht hat? Er ist quasi verloren. Wenn er einen Job bekommt ist dieser stets unsicher und umso unsicherer, wenn er altert. Dazu kommt, dass keine staatliche Rente ihm mehr Lebensqualität oder nur Lebensstandarderhaltung im Alter bieten kann. Und da wundert man sich, dass die Kluften zwischen Reich und Arm klaffen und wir mehr und mehr in eine oligarische Gesellschaft geraten?
Die Globalisierung, die Politiker, die Wirtschaft, sie sind alle gleichsam und doch gar nicht Schuld. Wohin geraten wir, wenn Bildung und Erfolg im Leben von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängt und vor allem, wenn nur ein geringer Prozentteil aller Eltern zu solchen zählen, die das Geld aufbringen können? Die Mittelschicht stirbt, ein kleiner Teil arbeitet sich zur Oberschicht auf und der größte Teil sinkt in den unteren Standard herab. Warum stehen ratlose Politiker im Fernsehen und zeigen mir ein Haushaltsloch, das alles aufsaugt, was uns retten könnte? Ich will nicht die Politiker an den Pranger stellen. Sie arbeiten sicher gut und ich bin mir sicher, dass ich es nicht besser könnte. Keines, nicht ein System ist dem Prozess des Fortschritts gewachsen, den wir momentan betreiben. Das Rentensystem scheitert demographisch, weil es immer mehr Rentenbedürftige und immer wenigere Einzahlende gibt, schon durch das Altern der Bevölkerung und Kinderlosigkeit bedingt. Das Sozialsystem fällt ebenso, da immer mehr davon abhängen, aber immer weniger Halt bieten. Das Gesundheitssystem fällt, da die älteren Menschen gebrechlicher sind. Überall entstehen Löcher, überall fehlt es und wer will so einen Haushalt decken? Was mir fehlt ist aber ein Ziel, eine Motivation, die uns alle voran treibt. Freie und unabhängige Bildung für eine soziale und ausgeglichene Gesellschaft. In meinen Adern pulsiert das Blut purer Ideologie, einen Staat zu schaffen, in dem jeder die gleichen Chancen hat, ganz unabhängig von seiner Herkunft und den Möglichkeiten der Eltern. Ich will einen Staat, in dem Menschen Karriere und Familie einen können und sich nicht länger von dem Zeitdruck zerquetschen lassen müssen. Ich will einen Staat, in dem Ökologie nicht nur der geprügelte Bruder seines Namensvetters, der Wirtschaft, ist, der nutzloses Mitleid geschenkt bekommt. Und, um auf den Anfang zurück zu kommen und damit den Kreis zu schließen: Ich will einen Staat, in dem man nicht mehr aus der Realität fliehen muss.
24.1.07 00:31
 


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