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Elterngeburtstage

Ihr kennt dieses Gefühl ganz sicher. Man wacht auf, schlaftrunken wankt man zur Tür und genau in diesem Moment beschleicht einen das hellseherische Gefühl irgendwas vergessen zu haben. Man wirft mit halbgeöffneten Augen einen Blick in feindliches Feld und begreift im Zimmer der eigenen Schwester ein Geschenk stehen und sobald man dann auch die summende Stimme des Vaters wahrnimmt weiß man Bescheid: Mama muss heute Geburtstag haben.
Man hat zwar keine Ahnung, ob der letzte Geburtstag vor einem Jahr war, aber man ist sich sicher, dass es weder diese noch letzte Woche war, folglich muss er scho nahe stehen. Das Geschenk deuten auffälligst drauf hin und des Vaters Gesumme soll das Geburtstagslied ersetzen, was verloren ging, als ich 11 wurde. Als mein Vater nun pfeift, erscheint meine Schwester sofort mit einem Stapel Geschenke in der Hand und ist im Begriff an mir vorbei zugehen bis sie mich erkennt und jäh abstoppt. Sie mustert den schlaftrunkenen, stinkenden jungen Mann einen Moment ehe sie grinst und weiter geht. Dann hält sie erneut inne : Trotz aller Feindschaft hat man sich unter Geschwistern immer aus der Patsche geholfen. Ihre kleinen schnell huschenden Augen verraten, dass sie aber im Moment keine Chance sieht und so tappst sie die Treppe herab. Kurzzeitig denke ich darüber nach den Schlafwandelnden zu miemen und aus der Tür zu entfliegen, verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Ich muss es also so durchziehen. Ich habe die Suppe eingelöffelt durch meine totale Verpeiltheit, nu muss ich da durch. Bevor ich die treppe herunter stolper, stelle ich die Realtiät auf die Probe und die Wand beweist mir, dass mein Kopf nicht nur im Traum dagegen schlägt.
So begab es sich dann, dass ich vor meiner Mutter stand und sie anschaute und wirklich ehrlich zu ihr sagte: "Mama, es tut mir Leid. "
Sie lächelt, was mich zunehmend verwirrt. Das kann nichts gutes heißen. "Du hattest zwar versprochen, dass du die Meerschweinchen fütterst, wenn Ann-Kathrin auf dem Geburtstag und wir beide am Badesee sind, aber nun habe ich es doch schon gemacht."
Ein Blick zu meinem Vater und dann wieder ins Gesicht meiner Mutter. Beinahe wäre mir ein "Du hast heute gar icht Geburtstag?" herausgerutscht, aber ich kann mich beherrschen und fordere forsch Frühstück. Es ist doch immer wiedeer gut, so daran erinnert zu werden und nein ich habe wegen exakt diesem Alptraum noch nie einen Geburtstag meiner Eltern verschlafen.
6.7.06 01:33
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


M.B / Website (6.7.06 02:14)
Sehr geiler Eintrag, wirklich nicht schlecht.*g*

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