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Zufriedenheit und Ansprüche

Ansprüche bedeuten Erwartung oder die Hoffnung auf eine Erwartung. Ansprüche bieten eine Qualitätsgarantie des Erlebten bzw zu Erlebenden, steigern Niveau und Stil und sprechen in jedem Fall für den individuellen Charakter. Ansprüche machen interessant und besonders, grenzen von dem Normalen ab. Ansprüche sind erreichbare Utopie.
Wenn ich jemandem zum Geburtstag gratuliere, wünsche ich neben Gesundheit meist Zufriedenheit. Zufriedenheit ist vielleicht das wichtigste, wenn nicht aber eines der wichtigsten Dinge, die diese Welt bietet. Wer zufrieden ist, ist glücklich mit dem, was er hat und das is variabel und ganz frei von Qualität oder Quantität des Besitzes. Wir alle kennen die Bilder von tanzenden Brasilianern, die einfach froh sind, obwohl sie sicher keinen Lebensstandard genießen dürfen, wie wir ihn zu genießen pflegen. Oder sehr beliebt sind Videoaufnahmen eines lächelndes alten Mannes, der trotz seiner fehlenenden Zähne das Glück einer Zigarette genießt. - Ganz egal welches Beispiel wir wählen: Zufriedenheit und damit Glück unabhängig von Besitz oder sonstigen weltlichen Gelüsten ist Gut zum Träumen.
Im Grunde widersprechen Ansprüche aber der sogenannten Zufriedenheit.
Ausgegangen von Ansprüchen, die wenig mit den Präsenten der Welt konform gehen, beispielsweise einer sich ausgemaltem Traumfrau, treffen Zufriedenheit und jene Ansprüche meist nur im alkoholisierten aber auf jedenfall aphrodiasierten Zustand aufeinander. Denn welche Frau bietet wirklich ausnahmslos alles, was du je von einem engelsgleichen weiblichen Geschöpf erwartet hättest?
Überlege ich, so suche ich eine sportliche aber nicht zu sportlich aktive, eine Kluge aber doch mir unterlegene, eine interessierte aber doch nicht zu wissensgierige, eine stilvolle aber doch verrückte, eine gutaussehende aber kaum eingebildete, eine selbstbewusste aber nicht abgehobene, eine kreative aber nicht zu gesellschaftsentfernte, eine modebewusste aber kaum markenbeeindruckte, eine chillige aber nicht zu langweilige, eine tolerante aber nicht alles akzeptierende, eine alternative aber nicht zu abstrakte [...] Frau.
Wahrscheinlich unerreichbar, weswegen Realität und Ansprüche selten ihren jeweiligen Weg kreuzen. Sind Ansprüche also Weg zu Niveau und Stil aber gleichzeitig Weg zu Enthaltsamkeit wegen der Rarität körperlicher Befriedigung in ganz verschiedener Art und Weise? Sind Ansprüche strebenswert, oder sollte man sich lieber der Zufriedenheit widmen, die Glück und Reinheit mit sich selbst dem eigenen Leben bietet?

Ich fürchte, die Perfektion des als Ansprüche beschriebenen Niveaumaximums ist schlichtweg unmenschlich. Selbst wenn man den Dualismus des Körpers und der Seele abtut, muss man sehen, dass der Körper schwer zur Enthaltung zu zwingen ist. Besonders wer hier aufwächst, wird eingebunden und bekommt Wertvorstellungen und Maxime eingeprägt, derer Enthaltung kaum mit eigener Zufriedenheit zu erreichen ist. Infolgedessen fürchte ich, bindet das Monstrum Gesellschaft uns exakt in der Mitte. Es stellt uns stets die Aussicht auf niveauvolle Anspruchsreichlichkeit bereit, suggeriert aber zugleich den Geschmack der Unerreichbarkeit, der Utopie. Ich fürchte für den Menschen ist es gar unmöglich, zufrieden zu sein. Ein letzter Grund mit dem richtigen und vor allem eigen dosiert und definierten Mix aus Zufriedenheit und Ansprüchligkeit zu leben.
17.6.06 04:14





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